Sentimental Journey


habe ich heute Nachmittag von Moabit aus nach good old Zehlendorf gemacht.

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Heute klappte alles wie am Schnürchen: es gab Schneeregen, gefrorene Matsche überall auf den Gehwegen (ach, was hab ich da Bayern und seinen vorbildlichen Räumdienst vermisst!), Granulat allerorten, genervte Gesichter an den Haltestellen und im Bus, aber eine souverän das Chaos meisternde Busfahrerin, laut hupende und fluchende Autofahrer angesichts der ständig zugestellten Kreuzungen, zahllose Bettler, Musiker und Zeitungsverkäufer in den U-Bahnen.

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Alles wie immer: Berlin von seiner schönsten Seite.

Dann endlich: Zehlendorf-City.

Wie gehabt fieser Schneeregen und rutschige Matsche, die Freundin im “Tomasa” getroffen und zusammen Kaffee getrunken. Anschließend im Vorbeigehen registriert, dass sich Woolworth nun “Billigkaufhaus” nennt, und einen kleinen Weihnachtsmarkt mit laut dudelnder Musik (keine Bereicherung) am Teltower Damm schnellstmöglich passiert. Kurz auf einem Klingelschild geguckt, ob W. etwa immer noch dort an der Ecke wohnt. Ja, tut er.

Viele Läden haben dicht gemacht, andere sind neu entstanden. Den seltsamen Handarbeitsladen mit der merkwürdigen Verkäuferin gibt es erstaunlicherweise immer noch, so wie die niedrige Unterführung am S-Bahnhof mit dem darüber prangenden Schild  “Zehlendorf”  in alter Schrift, und die darin gleichbleibend laut und nervig ihr Obst und Gemüse anpreisenden Verkäufer ……. dann etwas ganz Unerwartetes:

Der Bus, auf den ich früher immer ewig warten musste, kam sofort! Ich konnte direkt einsteigen!

Die alte Strecke nach langer Zeit wieder einmal gefahren, auch da sah fast alles noch wie immer aus. An der gewohnten Haltestelle ausgestiegen und um ein Haar angefangen in der Manteltasche nach dem Schlüssel zu kramen. Eines Besseren besonnen und das immer noch schwere Tor mit vollem Körpereinsatz aufgeschoben, mich dabei ein bisschen wie ein Eindringling gefühlt, den zugeklebten Briefkasten gesehen, das irgendwie verwaist wirkende Haus mit leichter Wehmut betrachtet, mich wieder umgedreht und zurück zum S-Bahnhof gegangen.

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Unterwegs nach dem Kater Ausschau gehalten, aber der ließ sich bei diesem Wetter natürlich nicht draußen blicken.

Dafür die alte Nachbarin von weitem gesehen und sofort wieder am Gang erkannt: rennend wie eh und je auf dem Weg zur S-Bahn. Komisch, dass sie es in all den Jahren nie geschafft hat, nur ein paar Minuten früher aus dem Haus zu gehen.

Die Glaserei hat nun nach vielen Jahren geschlossen, trotz der etlichen terminierten Fensterscheiben, die wir dort neu verglasen ließen.

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In der Nähe des Bahnhofs den neuen Supermarkt entdeckt, der dort unmittelbar nach unserem Auszug gebaut wurde. Schlechtes Timing irgendwie. Damals noch ohne Auto (dafür mit immer hungrigem Kind) musste ich weite Wege per S-Bahn inklusive vieler Treppenstufen in Kauf nehmen um Futter zu beschaffen, oder in teuren Kramläden in der unmittelbaren Nähe das Nötigste einkaufen.

Ich tröste mich damit, dass es wirklich jammerschade um die vielen, liebevoll gepflegten Schrebergärten ist, die für den Bau dieses Allerweltdiscounters abgerissen wurden. Die alte S-Bahn-Brücke aus Backstein, vor der noch eine alte Gaslaterne stand, musste einer neuen Konstruktion aus Beton weichen, was auch keine wirkliche optische Verbesserung darstellt.

Schön war der Besuch beim Thai-Mann, der immer noch so gut kocht wie früher. Ein freundliches Schwätzchen gehalten, und die neue digitale Anzeige im Restaurant bewundert:

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Innentemperatur: mollige 26 °C!

Noch lieber war mir der vertraute Blick auf die Straße und natürlich auch auf das geschmückte Schaufenster nebst blubberndem Aquarium und glitzerndem Weihnachtsbaum:

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Meine Glückssträhne hielt an: ich habe nicht auf die S-Bahn warten müssen (!), bin gemütlich zum Zoo gefahren (mit angemessener Wartezeit wegen “eines Polizeieinsatzes” kurz davor ….) hab mir dort mal wieder den “Tagesspiegel” gekauft und bin fix in die Wohnung vom großen Kind gefahren.

Hier genieße ich jetzt die Ruhe abseits des Trubels. Berlin schafft mich wirklich: die Hektik, der Lärm, der viele Verkehr und die wahnsinnig vielen, schnell wechselnden Reize in dieser Stadt.

Am Montag fahre ich wieder in meine ländliche Idylle…….

Mit etwas Wehmut wegen des Abschieds, aber auch mit Vorfreude auf zuhause.

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Über grenzgebiete

Ich bin vor Anfang 2011 von Berlin nach Bayern gezogen und noch nicht sicher, ob das eine gute Idee war. Update: so allmählich ruckelt es sich hier ein ...... und gefällt mir immer besser! Gelegentliches Heimweh nach Berlin inclusive. Update II: seit Dezember 2015 lebe ich wieder in Berlin......das Heimweh war stärker.....
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