Premiere


Beim Heimgehen vom Schwimmbad zum allerersten Mal ein menschenleeres Schwimmbecken gesehen!

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Es war bereits wundervoll fast leer, als wir schon um 10 Uhr früh eintrudelten. Über das Phänomen der wohlerzogenen und gehorsam auf die Lehrerin hörenden bayerischen Schulkinder (zumindest die Viertklässler, wie ich heute wieder erlebt habe) konnte ich mich schon beim vorletzten Besuch im Freibad kaum einkriegen. Da saß die ganze Klasse aufgereiht am Beckenrand und fragte die Lehrerin, ob sie schon reindürften. Ich rieb mir vor Verwunderung die Augen. Heute blieb mir wieder der Mund vor Staunen offen stehen. Die gleichen Klassen, die gleichen Lehrer, dieses Mal Beintraining mit Schwimmbrett,Vorübungen zum Kraulen, Tauchen. Kein Spott für die Schwächeren und lahmen Entlein, sondern anfeuernde Rufe von den Klassenkameraden am Beckenrand, die grade nicht dran waren. Klatschen und Jubel, wenn es dann doch noch geklappt hat.

Zum Schluss durften alle noch rutschen. Großer Jubel, Anstellen an der Rutsche, dann Abwarten, bis wieder genug Platz im Becken vor der Rutsche war. Diese Disziplin führte erneut zu ungläubigem Kopfschütteln bei mir. Anschließend kollektives und zügiges Umziehen, weil der Schulbus draußen wartete, um die ganze Meute wieder heim zu bringen. Auch dabei gab es kein Geschrei, kein Gezanke, kein Geschubse, keine Pöbeleien oder Raufereien. Auch die Lehrer waren entspannt, friedlich und freundlich. Kein Wunder bei solchen Schülern. Oder anders herum? Könnte auch sein. Wenn die weiter so brav mitmachen, sehe ich sie noch irgendwann bei Olympia auf dem Siegertreppchen, die Klasse 4 B aus Taufkirchen, und ihre Schwimmlehrer auf der Tribüne wischen sich Freudentränchen aus dem Augenwinkel.

Ich wahrscheinlich auch, und dann kann ich sagen: “Ich war damals dabei, wo alles anfing!”

Für Bayern mag das Hohelied seltsam klingen, aber ich habe so etwas vorher ehrlich noch nie erlebt. Im Gegenteil, sobald Berliner Schulklassen nur in die Nähe der Becken kommen, versuchen etwas sensiblere Menschen schleunigst Land zu gewinnen. Es ist aber inzwischen seltener geworden, weil viele Berliner Bäder  sowieso aus Geldmangel geschlossen oder renovierungsbedürftig sind. In Neukölln können inzwischen rund 40 % der Schüler nicht schwimmen.

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Ein blauweißer Himmel, zarte Wölkchen, angenehme Temperaturen mit etwas Schatten und einem lauen Lüftchen – so mag ich den Sommer gern!

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Über grenzgebiete

Ich bin vor Anfang 2011 von Berlin nach Bayern gezogen und noch nicht sicher, ob das eine gute Idee war. Update: so allmählich ruckelt es sich hier ein ...... und gefällt mir immer besser! Gelegentliches Heimweh nach Berlin inclusive. Update II: seit Dezember 2015 lebe ich wieder in Berlin......das Heimweh war stärker.....
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Eine Antwort zu Premiere

  1. Bloghaus schreibt:

    Ich habe auf meinem Dorf auch manchmal das Gefühl, in einer Art Utopieblase zu leben. Schöner Beitrag!

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